Schuldneratlas 2020 - Die Zahl der überschuldeten Menschen sinkt, aber der Schein kann trügen

Die Corona-Krise beherrscht seit Monaten die Schlagenzeilen. Neben den gesundheitlichen Auswirkungen haben auch viele Menschen mit den finanziellen Folgen zu kämpfen. Auf den ersten Blick überrascht es da, dass die Creditreform in ihrem neuen Schuldneratlas für 2020 feststellt, dass die Zahl der überschuldeten Personen zurückgegangen ist. 

 

Laut Daten der Creditreform nahm die Zahl der überschuldeten Menschen im Jahr 2020 um 69.000 ab und liegt nun bei 6,85 Millionen. Der Anteil der überschuldeten Menschen im Verhältnis zu allen Erwachsenen sank dadurch leicht auf 9,87 Prozent. Die Überschuldungsquote lag somit zum ersten Mal seit vier Jahren unter 10 Prozent. 

 

Wirken die Zahlen auf den ersten Blick positiv, so trübt der Ausblick für die Zukunft doch die aktuellen Zahlen und auch die Verschuldung von älteren Menschen hat zugenommen.

 

Der Rückgang der Zahlen ist zunächst auf den robusten Arbeitsmarkt bis zum Beginn der Krise zurückzuführen. Zusätzlich haben die staatlichen Hilfsmaßnahmen laut Einschätzung der Experten dazu geführt, dass die größte wirtschaftliche Not abgemildert worden ist und für eine Stabilität der Einkommensverhältnisse gesorgt hat. Verbraucher haben zusätzlich im Zuge der Krise ihre Ausgaben eingeschränkt und sparten vermehrt. Allerdings darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die finanziellen Folgen der Krise erst mit Verzögerung sichtbar werden. So gibt die Creditreform einen eher düsteren Blick in die Zukunft und spricht davon, dass „die langfristigen Perspektiven für die Überschuldungsentwicklung besorgniserregend sind.“ Es ist laut Einschätzung davon auszugehen, dass die Folgewirkungen der Pandemie gravierender ausfallen werden, als durch die Weltfinanzkrise 2008 und 2009. 

 

Die von der Creditreform ermittelten Zahlen geben aber noch einen weiteren Anlass zur Sorge. Dies fällt dann auf, wenn man sich die Verschuldung bei den Senioren anschaut. Konnte insgesamt der erwähnte Rückgang festgestellt werden, so hat die Zahl der überschuldeten Senioren ab 70 Jahren zwischen Mai 2019 und Mai 2020 um 23 Prozent zugenommen. In der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen gab es einen Zuwachs der Überschuldungsfälle um 13 Prozent auf rund 725.000. 

 

Die Gründe für die wachsende Zahl an überschuldeten Senioren sind dabei sehr vielfältig. Bemerkbar machen sich hier vor allem die Rentenreformen der letzten Jahre, das Anwachsen des Niedriglohnsektors und auch der Anstieg der Mieten. Altersarmut weist mehrere Besonderheiten auf und ist aus diesem Grund schwerwiegend. Durch den Ruhestand ist es kaum noch möglich, die ökonomische Lage zu verbessern. Das Problem wird zudem dadurch verschärft, dass die Betroffenen, in vielen Fällen, die zustehenden Sozialleistungen nicht in Anspruch nehmen.

 

Schlussendlich bilden die positiv wirkenden Zahlen der Creditreform in der Gesamtbevölkerung nur eine Momentaufnahme ab, die vor allem noch durch den zuvor robusten Arbeitsmarkt und die staatlichen Hilfen geschönt werden. Im Ausblick für die Zukunft ist allerdings zu erwarten, dass die Überschuldung in den nächsten Jahren als Folge der Krise zunehmen wird.

 

Quelle und Link: Creditreform: Schuldneratlas Deutschland für das Jahr 2020